FÜR NEUE MUSIK ZÜRICH
Archiv

ARCHIV



04.04.2008  20:00  Luzern, Marianischer Saal
05.04.2008  20:00  Zürich, Kunsthaus Vortragssaal
06.04.2008  17:00  Boswil, alte Kirche

Schöne Lieder II von Charles E. Ives und anderen
(Bearbeitungen für Kammerensemble : Sebastian Gottschick)

Scenes of my childhood are with me
Ives
Tom Sails Away
The Things Our Fathers Loved
(and the greatest of these was Liberty) Down East
Old Home Day
Ives All The Way Round and Back
... he liked to watch the funny things a-going
Ives The See'r
Grantchester
Lennon / McCartney A Day In My Life
Wolf Im Frühling
Ives The Housatonic At Stockbridge
Sebastian Gottschick Sextett (2007/2008)(UA) _________________________________

Today we do not choose to die or dance, but to live and walk
Ives At the River
Walking
General William Booth Enters Into Heaven

Gyp the Blood or Hearst - which is worst?

I know what it's like to be dead

Lennon / McCartney
She Said She Said
Ives
Like A Sick Eagle
No.96 (Romanzo di Central Park)
Lennon / McCartney
Here There and Everywhere

Silence is pleased
Ives From the "Incantation"
Wolf Um Mitternacht
Ives Evening

ensemble für neue musik zürich

Hans-Peter Frehner Flöte
Manfred Spitaler Klarinette
Lorenz Raths Horn
Viktor Müller Piano
Lorenz Haas Percussion
Urs Bumbacher Violine
Nicola Romanò Violoncello
Anna Trauffer Kontrabass

Jeannine HirzelundChristian Wittmann Gesang

Sebastian Gottschick Leitung


"Einige der Lieder in diesem Band, besonders der späteren, können nicht gesungen werden; und auch wenn sie es könnten, würden sie es vielleicht vorziehen - wenn sie mitreden könnten - so zu verbleiben, wie sie sind, d.h. "auf dem Papier" - und daß sie in diesem friedlichen Zustand verbleiben werden, ist mehr als wahrscheinlich. Eine andere Rechtfertigung (...) für ihre Existenz (...) ist, daß auch ein Lied einige wenige Rechte besitzt - dieselben nämlich, welche andere Durchschnittsbürger besitzen. (...) Muß es denn immer ein höflicher Dreiklang sein, ein "breve gaudium", ein Zierband, das zur Stimme paßt? Sollte es nicht gelegentlich frei von aller Herrschaft des Brustkorbs, des Zwerchfells, des Ohrs und anderer solch interessanter Dinge sein? (...) Sollte es nicht Gelegenheit haben, nur für sich selber zu singen, wenn es schon singen kann? - nur sich selber zu vergnügen, ohne einen Verbeugung zu machen, wenn es keine Verbeugung machen kann? - in jedem Ozean herumzuschwimmen, wenn es schwimmen kann, ohne gleich am "Haken und Köder" anbeißen zu müssen, oder von einem Belcanto- Zerstörer versenkt zu werden? Sollte es aber Lust haben, dahin zu fliegen, wohin die Menschen nicht fliegen können, oder etwas zu singen, was nicht gesungen werden kann (...) - sollte es jemand daran hindern? - Kurz und bündig: Muß ein Lied denn immer ein Lied sein? (Charles Ives, aus dem Nachwort zu den 114 Songs)
Charles Edward Ives (1874-1954) hat durch sein ganzes kompositorisches Leben hindurch (in den letzten 30 Jahren seines Lebens hat er fast nichts mehr komponiert) Lieder geschrieben. 1920 veröffentlichte er auf eigene Kosten eine Sammlung von 114 Songs, die man, ebenso wie die etwa gleichzeitig publizierte "Concord Sonata", als eine Art musikalischer Autobiographie betrachten könnte. Sie umfaßt Lieder aus drei Jahrzehnten. Viele der vertonten Texte wurden von Ives selbst oder von seiner Frau Harmony Twitchell Ives verfaßt. Neben klassischen Liedformen, auch nach deutschen oder französischen Texten, bilden die großen Themen seines Schaffens und Denkens den Schwerpunkt: Erinnerungen an seine Kindheit, an religiöse Versammlungen (vielfach mit Zitaten der alten Hymnen) und die Sphäre der von seinem Vater geleiteten Militärkapellen, sowie Visionen einer gerechteren Zukunft die sein politisches und ethisches Engagement widerspiegeln. Ein interessanter Aspekt dieser Sammlung ist, daß es sich bei vielen der Lieder um nachträgliche Bearbeitungen früherer Instrumentalfassungen handelt: teilweise waren diese Kammermusik- oder Orchesterstücke in der ersten Version mit einem (alternativ von einem Soloinstrument zu spielenden oder zu singenden) Text unterlegt, teilweise tatsächlich als rein instrumentale "Lieder ohne Worte" gedacht. Das hat zum einen mit einer Praxis zu tun, die er von seinem Vater George Ives übernahm: er spielte der Gemeinde Lieder zunächst auf dem Flügelhorn vor; zum zweiten bestätigt das oben zitierte Nachwort zu den 114 Songs, daß Ives viele der Lieder für nicht sangbar hielt - er betrachtete sein ganzes Komponieren als ein Experiment, und tatsächlich hat bis zur Veröffentlichung 1920 außer ihm selbst wohl kaum einer diese Lieder gesungen; zum dritten aber verweist dieses Verfahren - das Instrumentalstück als Originalversion, das Lied als späteres Arrangement - auf Ives' gesamtes Komponieren als Beschreibung konkreter Erlebnisse, weniger im Sinne eines literarischen Programms, als eben des Charakters von "Liedern ohne Worte", ohne daß immer ein bestimmter Text gemeint sein muß. Sebastian Gottschicks Bearbeitungen für ein variables Ensemble von acht Instrumenten nehmen häufig auf diese früheren Fassungen direkten Bezug: so ist etwa das Lied "The Housatonic at Stockbridge" ursprünglich das dritte der "Three Places in New England", ein Tongedicht für großes Orchester; die Klavierfassung ist notwendig eine Reduktion, die Bearbeitung für Ensemble verwendet viele der Nebenstimmen der ersten Version. "At the River" ist eigentlich der dritte Satz der vierten Violinsonate. "Evening", "Incantation", "Like A Sick Eagle" und "The See'r" existieren als Ensemble- Miniaturen in verschiedenen Besetzungen. Nur "General William Booth Enters Into Heaven", eine großangelegte Ballade im Marschtempo über den Einzug des Heilsarmee-Gründers und seiner Armee von Bettlern, Drogensüchtigen und Leprakranken ins Himmelreich, wurde nicht in der Sammlung der 114 Songs, sondern erst später veröffentlicht.
Ergänzt werden die Ives-Songs durch kurze Instrumentalstücke, einige Lieder von Hugo Wolf und Lennon/ McCartney in Arrangements für die gleiche Besetzung, sowie die Uraufführung des Sextetts von Sebastian Gottschick, auch ein "Lied ohne Worte", 2007/8 für das ensemble für neue musik zürich geschrieben.
20. Januar 2013
© ensemble für neue musik zürich, Gutstrasse 89, CH-8055 Zürich
T +41 (0)44 383 81 81, M +41 (0)79 207 55 92
info(at)ensemble.ch, www.ensemble.ch/archiv/?det_id=191/