FÜR NEUE MUSIK ZÜRICH
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23.05.1997  20:00  Zürich, Kunsthaus Vortragssaal

Bruno Karrer (CH) Upon UA fl,cl,vl,vc,p,perc,
Urban Mäder (CH) fast zerrissen UA fl,cl,vl,vc,p,perc,
Thomas Müller (CH) Quintett UA fl,cl,vl,vc,p, *
Valentin Marti (CH) tres sendas espinosas UA fl,cl,vl,vc,p,perc,
Lukas Langlotz (CH) fixierungen UA fl,cl,vl,vc,p,perc,

frehner/bissegger/bumbacher/brunner/müller/lorenz/Leitg.harneit


Freitag, 23. Mai 1997, Kunsthaus Zürich
Bruno Karrer
Geboren 1956 in St. Gallen. Bruno Karrer hat nach der Primarlehrerausbildung sein Studium mit Hauptfach Gitarre am Konservatorium Winterthur absolviert. Nach der Konzertreifeausbildung absolvierte er das Theorielehrerstudium und konzertierte in verschiedenen Kammermusikbesetzungen. Seit 1986 unterrichtet er theoretische Fächer am Konservatorium Winterthur. Die kompositorische Arbeit wurde seit 1987 immer zentraler und schlug sich seither in über 20 Werken nieder, die meisten davon geschrieben im Auftrag verschiedener Interpreten, Ensembles und Institutionen. Durch die Mitarbeit bei Contrapunkt (IGNM-Sektion St. Gallen) setzt er sich auch aktiv für die Realisierung und lebendige Vermittlung von neuer Musik ein.

"UPON" UA
Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Piano, Percussion
"Upon" ist ganz geprägt von Skalen, überlieferten und konstruierten, deren schlichte Sachlichkeit mich damals in ihren Bann zog.
B. Karrer



Urban Mäder
Geboren am 15. Mai 1955 in Romanshorn, lebt mit seiner Familie in Luzern. Studium am Konservatorium (Klavier bei Eva Serman. Theorie bei Peter Benary) und an der Akademie für Schul- und Kirchenmusik in Luzern. Lehrtätigkeit an Lehrerseminar und Konservatorium Luzern (Klavier - und Gruppenimprovisation, Kammermusik). Rege Tätigkeit als Komponist und Interpret (vorw. eigener Werke). Mitbegründer des "Forum Neue Musik Luzern". Diverse Preise und Auszeichnungen (u.a. Förderpreis Edwin Fischer Stiftung, Werkbeiträge und Parisatelier des Kantons Aargau, Werkbeitrag des Kantons Luzern), zahlreiche Kompositionsaufträge.

"fast zerrissen" UA
Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Piano, Percussion


mit dem vergeblichen Wunsch halt, Freiheit auf die Spitze zu treiben

Urban Mäder, 1997

Eine neunzig Jahre alte Frau sagte zum fünfundneunzigjährigen M. de Fontenelle: "Der Tod hat uns vergessen!" "Pst!" antwortetet M. de Fontenelle, den Finger auf den Mund halten.

Chamfort



Thomas Müller
Geboren 1953. Klavierstudium und Kirchemusikstudium in Luzern. Ab 1976 Kompositionsstudien bei H.U. Lehmann, 1977 - 80 bei Helmut Lachenmann und Klaus Huber (1981), danach Theorie und Komposition am Konservatorium Basel bei Jacques Wildberger. Seit 1984 Lehrer für die musiktheoretischen Fächer am Konservatorium Zürich. 1993 Träger des Conrad Ferdinand Meyer-Preises.

"Quintett" (J'en ai perdu le souvenir) UA
Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Klavier

Im Quintenzirkel: drei Konstellationen sind bevorzugt. Umständlich, weil von struktureller Nützlichkeit, so formuliert:

1)
Zwei benachbarte Töne kombiniert mit dem drittnächsten Ton im Zirkel abwärts (also ein heimatloser Molldurklang)

2)
Eine Quinte kombiniert mit dem viertnächsten Ton auf- und abwärts im Zirkel (also ein halber Septakkord)

3)
Und selbstverständlich drei Töne im Quintabstand nebeneinander, aber kaum so gebraucht (sondern wie eine Siebtel-Kadenz)

Es sind nicht alle sich bietenden Möglichkeiten gebraucht. Aber es gibt auch keine Annahme, instrumentaler Verfremdung wurde aus dem Weg gegangen. Sämtliche Regeln und Behauptungen werden vom Hören nicht aufgehoben.

Kompositorisch sowohl ein Spiel mit diesen (1-3) evokativen Bedeutungsmustern, als auch der Versuch, sie gewissermassen auf dem Weg einst "verhallender Austrocknung" in der Schwebe zu halten; und vorläufig die Musik einem Mobile ähnlich im offenen Klang- und Zeitraum pendeln zu lassen.

Th. Müller



Valentin Marti
Geboren 1965, im Zürcher Oberland aufgewachsen, studierte er nach Abschluss der Mittelschule Saxophon bei Urs Schoch und Marcus Weiss (Konzertreife) am Zürcher Konservatorium, sowie Komposition bei Gerald Bennett in Zürich und Michael Jarrell in Wien. Heutige Tätitgkeit als Komponist, freischaffender Musiker (v.a. Neue Musik, solistisch und kammermusikalisch, sowie als Zuzüger in diversen Orchestern) und Instrumentallehrer. Lebt in Zürich.

"Tres sendas espinosas" UA
Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Piano, Percussion

"Tres sendas espinosas" (Dornenpfade, schwierige Pfade) sind (Betrachtungen über) Pfade, die nicht oder nur scheinbar weiterführen, die desto öfter zu ihren Ausgangspunkten zurückkehren, je energischer klare Richtungen eingeschlagen werden. Unter den gerichteten, gestischen Phrasen durchzieht jeden Satz auch eine meist hintergründige, z.T. eingewobene Klangspur, welche deutlicher hervortritt, sobald die überlagerte Bewegung wegfällt und die Klänge ungeschützt offenliegen; eine Spur, die nicht Klangfundament ist, sondern in ihrer Richtungslosigkeit vielleicht der eigentliche Pfad.

V. Marti



Lukas Langlotz
Lukas Langlotz wurde 1971 in Basel geboren. Am dortigen Konservatorium studierte er Komposition bei Rudolf Kelterborn, Klavier bei J.-J. Dünki sowie Dirigieren bei W. Boettcher und M. Honeck. Zur Zeit setzt er seine Studien in Paris bei Betsy Jolas fort.

"Fixierungen" UA
Flöte, Klarinette, Violine, Violoncello, Piano, Percussion,

Die musikalische Entwicklung wird in diesem Stück mehrmals in Situationen geführt, in denen sie stehenbleibt. Trotzdem finden solche richtungslosen Zustände anfangs immer wieder eine Fortführung.

Von Anfang an präsente Elemente, die im Verlauf des Stückes scheinbar unmotiviert stur wiederkehren, bewirken jedoch letztendlich, dass alles in eine ausweglose Sackgasse gerät.

L. Langlotz



Alle Werke sind im Auftrag des
ensemble für neue musik zürich entstanden.


Licht: Bruno Bissegger

Mit freundlicher Unterstützung des Präsidialdepartementes der Stadt Zürich, der Erziehungsdirektion des Kantons Zürich und der Pro Helvetia. Auftragskompositionen mit Unterstützung des Schweizerischen Tonkünstlervereins, der Stadt Luzern und dem ensemble für neue musik zürich

Steinway-Flügel: Vertretung Jecklin, Zürich

Radio DRS wird dieses Konzert aufzeichnen und zu einem späteren Zeitpunkt in seinem Programm ausstrahlen.
5. Dezember 2006
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